Die Bärlappe zählen zu den ältesten
Gefäßpflanzen. Ihre Vorfahren entwickelten sich vermutlich bereits im Devon. Einige längst ausgestorbene
nahe verwandte
Pflanzengruppen besaßen baumförmige Gestalt (z.B. die fossile Ordnung
Lepidodendrales) und trugen im Karbon zur Bildung der
heutigen Steinkohlelagerstätten bei. In der Gegenwart gibt es von den einst mannigfaltigen
Bärlappgewächsen im engeren Sinne noch eine rezente Familie mit weltweit
ca. 400 Arten. Puder zur Herstellung
von Pillen ist offenbar vorbei. Bärlappranken wurden auch für
kultische Zwecke, als Weihnachtsschmuck und zum Ausschmücken von
Kirchen verwendet. In der Volksheilkunde, Medizin und
Veterinärmedizin spielten Bärlappsporen ebenfalls eine Rolle. Als
Wundpuder wurden Bärlappsporen bereits im Peloponnesischen Krieg
(431-404 v.Chr.) benutzt. Ein homöopathisches Lehrbuch von 1900 gibt
über 45 Leiden an, vom Haarausfall bis zum Kalten Schweißfuß, die
mit Bärlapp zu behandeln seien. Doch auch die Allopathie verwendete
Bestandteile der Bärlappe (so u.a. Sporen) in einem Maße, dass die
in Mitteleuropa zu den Seltenheiten gehörenden Pflanzen aus anderen
Ländern, z.B. Russland und Polen, importiert wurden. Ihre Hauptverbreitung besitzen die europäischen
Vertreter der Bärlappe in den Nadelwäldern und Fjelllandschaften des
Nordens, namentlich in den borealen bis arktischen Gebieten
Skandinaviens sowie in Mittel- und Südeuropa in den
niederschlagsreichen Gebirgsregionen. Kulturlandschaft, die
zunehmende Umweltverschmutzung und die Aufgabe traditioneller
Bewirtschaftungsformen von Heiden und Wäldern führten zum Rückgang
der standörtlich spezialisierten Pflanzengruppe. In Deutschland
gehören die Bärlappe deshalb sämtlich zu den
Rote-Liste-Arten
und sind nach der
Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)
besonders geschützt. Verschiedene Arten
gelten in manchen Bundesländern, so auch in
Sachsen (Rote
Liste Farn- und Samenpflanzen), als "vom
Aussterben bedroht". Gezielte Schutzkonzepte und Pflegemaßnahmen für Bärlappe
wurden bisher in den Bundesländern Thüringen, Niedersachsen und Bayern
erarbeitet und durchgeführt. Um den Erhalt der Bärlappe auch in
Sachsen zu gewährleisten, wurde von Mitarbeitern der
Walter-Meusel-Stiftung Chemnitz ein spezielles "Sachsenweites
Artenhilfsprogramm Bärlappe" konzipiert und in
Zusammenarbeit mit dem
Sächsischen
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
und der Landesdirektion
Chemnitz als
"Komplexvorhaben des Naturschutzes" beim
Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) angeregt und
beantragt (vgl. "Sachsenweites
Artenhilfsprogramm Bärlappe"). |
© Walter-Meusel-Stiftung Chemnitz 2012